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Im Gespräch mit dem kleinen Mädchen in mir

Oder: Erinnerst du dich daran, was dein einzigartiger Beitrag zum Großen Ganzen ist?




In einem Workshop mit dem Thema Dharma – der Weg zu erfülltem Leben geleitet von Yoga-Philosophie Lehrerin Swami Nitya, wurden wir eingeladen eine Übung zu machen und uns vorzustellen, dass wir uns selbst als Kind gegenübersitzen und in Dialog treten. Der Gedanke dahinter war, dass wir als kleine Kinder noch mehr mit unserer inneren Weisheit verbunden sind, bevor all die Erfahrungen, Konditionierungen, Muster und Glaubenssätze sich drüberlegen und die Sicht vernebeln. Diese innere Weisheit trägt auch das Wissen in sich mit welchen Gaben und Möglichkeiten wir in dieser Form, die wir jetzt haben, da sind.

So hat Swami Nitya uns angeleitet uns mal zu überlegen in welcher Zeitepoche, an welchem Ort und in welche Familie wir hineingeboren wurden. Welche Zeitqualität war das? Und dann sollten wir unser inneres Kind fragen, was es denn so gerne macht, was es mal werden will und dann lauschen.


Jedes Mal, wenn ich eingeladen werde, eine Übung mit dem inneren Kind zu machen, taucht sofort ein Foto vor meinem inneren Auge auf. Das Foto hier im Titelbild. Ich bin da vielleicht 2 Jahre alt oder so und sitze stolz und zufrieden auf meinem eigenen kleinen Stuhl, während meine Eltern gemeinsam auf der Bank für große Leute sitzen. Dieses Bild berührt mich tief. Es zeigt mir ein Mädchen, das alleine auf ihrem Stuhl sitzen will, selbstständig, neugierig und bereit für Abenteuer, sie aber gleichzeitig genau weiß, dass ihre Eltern neben ihr auf der Bank sitzen und sie sich vollkommen sicher und beschützt fühlen kann. Das Bild zeigt mir ein Mädchen, das absolut zufrieden ist mit der Zeit, mit dem Ort und mit der Familie, in die sie hinein geboren wurde. Es ist eine freie, friedliche Zeit – alle Möglichkeiten stehen offen. Das Mädchen ist in eine Familie hineingeboren, in der es verschiedene Kulturen und Sprachen gibt, eine weltoffene und reisegewohnte Familie.


Als ich das Mädchen gefragt habe, was es denn gerne macht und was es mal werden möchte, hat es mit großen Augen und einem belustigten Blick angeschaut und mich gefragt: “Was meinst du, was ich werden will? Was soll ich denn werden wollen? Ich bin doch schon. Es ist alles da.“


Ich habe gespürt, wie etwas von mir abfällt. Ja natürlich, das kleine Mädchen ist in seiner Welt glücklich, wonach sollte es denn suchen wollen? Das Mädchen hat ihren sicheren Ort in ihrer kleinen Familie, kann das Leben genießen, reisen und liebe Menschen an verschiedenen Orten der Welt besuchen, im Wald sein, sich die frische Luft um die Nase wehen lassen, im See und im Meer baden und sich Abends zufrieden an ihre Eltern kuscheln und einschlafen.


Erst später hat das Mädchen lernen müssen, dass es sich in der Familie auch nicht immer so sicher und friedlich anfühlt, dass es in der Welt der großen Menschen Herausforderungen gibt, die schwierig zu bewältigen sind, dass von uns erwartet wird, dass wir irgendwas werden sollen und sich liebe Menschen von uns entfernen - und wir oft gar nicht verstehen, wozu wir das alles bewältigen sollen – tagein, tagaus.


Dazu kommen all die Geschichten, die uns über uns selbst und die Welt erzählt werden und die wir über die Jahre hinweg zu unseren eigenen Geschichten machen. Geschichten darüber, dass wir nicht gut genug, klug genug, schön genug, dankbar genug, altruistisch genug, erfolgreich genug, liebenswert genug sind – diese Liste könnte wahrscheinlich für die meisten von uns noch mit allen möglichen Einfärbungen ergänzt werden.


Deshalb bin ich unendlich dankbar für die Begegnung mit dem kleinen Mädchen in mir, die all diese Geschichten noch gar nicht kennt und einfach nicht glaubt. Sie grinst mich an und flüstert mir zu: „Was, wenn du all die Geschichten einfach loslässt und vergisst, dich über dein Leben freust, in den Wald gehst, in den See oder das Meer springst, auf Reise gehst und liebe Menschen besuchst und dir deine Abenteuer erschaffst?


Sich mit der Energie dieses kleinen Mädchens zu verbinden lässt Freude und Vertrauen in mir aufsteigen. Was wäre, wenn es so einfach wäre. Was, wenn ich mich entscheiden kann, mich von der Geborgenheit, dem Urvertrauen und der Lebensfreude dieses kleinen Mädchens leiten zu lassen? Ich werde sie auf jeden Fall wieder einladen, wenn ich merke, dass sich schwere Geschichten in mir ausbreiten wollen.


Nach diesem Abend ist mir noch etwas in Erinnerung gekommen. Diesen Sommer ist bei einer Legung eine Tarotkarte mit dem Symbol des Bibers zu mir gekommen. Der Biber ist ein Baumeister, der fleißig Holz sammelt um dann einen Bau am Wasser zu bauen für die anderen Biber in seiner Gemeinschaft. Diese Karte hat auch etwas in mir bewegt und berührt.


Zu schauen, was es braucht, damit Menschen sich an einem Ort zugehörig und geborgen fühlen können, ihnen Raum schenken, in dem sie sich selbst begegnen können, Räume, in denen nicht bewertet und geurteilt wird, sondern freudvoll gespielt und geforscht werden darf, löst in mir eine große Sehnsucht und Lust zu gestalten aus. Vielleicht geht es dabei auch genau darum, Orte zu schaffen, die das Gefühl und die Lebenslust des kleinen Mädchens in mir zum Ausdruck bringen können.


Dazu passt meine Arbeit im Yoga Shiatsu Zentrum Meran, dazu passt, Mukuti Kunda, das kleine Häuschen und das Land mit dem Garten in Niafrang, dazu passen Gemeinschaften und Netzwerke, wie die Pioneers of Change und das Global Ecovillage Network, die mich in den letzten Jahren begleitet und inspiriert haben. Da zeigt sich mir gerade ein wunderschöner, roter Faden durch mein Leben – ein Faden voller Liebe, Vertrauen und Freude.


Ich möchte mich gerne bedanken, bei den Ahnen, die den Weg bereitet haben, bei meinen Eltern, die mir diesen wunderbaren Start ins Leben geschenkt haben und bei all den Wegbegleiter*innen, die sich über all die Jahre auch immer wieder die schmerzvollen Geschichten angehört haben und trotzdem immer wieder Freudefunken Raum gegeben haben.


Das kleine Mädchen in mir verneigt sich und freut sich auf all die Abenteuer, die noch auf uns warten.


Alles Liebe

Martina


PS: Swami Nitya gibt immer wieder Workshops - demnächst zum Thema Freude in der feinen Casa Pallotti in Meran und im Februar bei uns im Yoga Shiatsu Zentrum Meran. Eine Möglichkeit zum Erforschen, was uns tiefe Freude bringen kann.





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