Pubertät, Wechseljahre und jede Menge Feuerenergie
- Martina De Rosi

- 30. Mai
- 5 Min. Lesezeit
Oder: Wo uns diese spannende Zeiten wohl hinführen wollen?

Ich bin wieder mal unglaublich fasziniert von der Gleichzeitigkeit der Dinge und wie das Leben uns mit unseren tiefsten Themen in Kontakt bringt. Ich bin 51 und gerade fühle ich mich wie 17. Aber nicht, weil ich so jung aussehe – meine biologischen Jahre zeigen sich in jeder Falte, jeder Delle, jedem Wehwechen in meinem Körper. Das ist auch ok und lässt sich nicht leugnen.
Aber in meinem Inneren passieren gerade Dinge, die ich noch nicht ganz 100%ig einordnen kann. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann – es ist gerade alles andere als langweilig in meinem Innenleben.
Ich kann folgendes beobachten und vielleicht ist das etwas, das nicht nur mich alleine betrifft, sondern Ausdruck vom Zeitgeist ist, etwas das auch einfach dran ist, nur, dass es wieder mal auf so vielfältige Weise Ausdruck in jedem Menschen gefühlt anders findet.
Ich fühle, dass ich reifer und erwachsener geworden bin in den letzten Jahren und gleichzeitig bricht gerade eine ganze Welle an Gefühlen, Gedanken und Handlungen aus mir heraus, die sich viel eher nach einem pubertierenden Teenager anfühlen.
Ich arbeite in der Schule ja tatsächlich auch mit Teenagern, das heißt ich sehe jeden Tag womit sich die Jugendlichen beschäftigen, was sie bewegt, wie sie ticken. Vielleicht färbt das gerade auch auf mich ein bisschen ab. Vielleicht erinnert es mich ein wenig daran, wie ich als Teenager war.
Nur, dass ich, wenn ich so zurück spüre in vielerlei Hinsicht viel zu angepasst und zu „brav“ war. Ich habe nicht wirklich rebelliert in meiner Jugendzeit, vielleicht nur so ein bisschen, ohne wirkliche Durchbrüche. Es war mir viel zu wichtig, nicht zu viel aufzufallen, nicht zu viel anzuecken, anderen nicht zu viel zur Last zu fallen oder zu viel im Mittelpunkt zu stehen. Meine Freundinnen waren immer viel extrovertierter und lockerer als ich (zumindest habe ich das so empfunden), ich habe mich immer ein bisschen versteckt und zurückgehalten. Ich habe mich immer so verhalten, dass ich überall noch schlüpfe ohne zu viel Aufmerksamkeit zu bekommen und noch gerade so die Erwartungen der anderen zu erfüllen, damit ich meine Ruhe hab.
Jetzt komme ich in die Wechseljahre – was für eine spannende Zeit – und gleichzeitig scheint in der Zeitqualität etwas zu liegen – so empfinde ich das gerade – das es nicht mehr erlaubt, sich zu verstecken, einfach mal so durch zu tauchen und nur so ein bisschen sichtbar zu sein. Das Feuerjahr und die Feuerjahreszeit haben es in sich.
Es brechen aus mir Dinge heraus, die ich gar nicht so ganz kontrollieren kann und ja letztendlich auch gar nicht will. Ich bin zur Zeit weder in der Schule, noch zu Hause oder im Yoga Shiatsu Zentrum die gesammelte, ausgeglichene, beständige, ruhige Person für die mich viele Menschen, die mich nicht gut kennen, halten.
Es kribbelt und brodelt in mir, ich bin gefühlt ein wenig sprunghaft, mag keine Situationen mehr, die sich für mich nicht stimmig anfühlen und kann mich dabei selbst gerade nicht ganz einordnen.
Ich halte es im Moment nur schwer aus mich an systemische Regeln und Rollen zu halten, stelle ganz viel in Frage und ecke hier und da auch mal ein wenig an. Nicht dramatisch, aber für mein Empfinden oder meine Gewohnheit, bin ich gerade aufmüpfig wie meine Schüler*innen, wenn sie nicht mit den Anforderungen in der Schule einverstanden sind.
Ich will mein eigenes Ding machen, ich will mich zeigen, so wie es mir passt und ich will Dinge anders machen als ich sie bisher gemacht habe. Ich will mich ausprobieren, mich frei ausdrücken und ein bisschen auf all die Regeln von „das geht nicht“ und „das macht man nicht“ und „was denkst du dir überhaupt“ pfeifen. In diesem Sinne fühle ich mich gerade recht solidarisch mit den Jugendlichen unserer Zeit.
Gleichzeitig bin ich ja als Lehrkraft auch auf der anderen Seite und weiß wie mühsam es im Kontakt mit dieser grenzaustestenden Energie sein kann, wie anstrengend es ist, wenn alles, was wir als Rahmenbedingungen und Möglichkeiten anbieten mit einer gelangweilten oder ablehnenden Haltung quittiert wird, wenn prinzipiell mal alles in Frage gestellt und gemotzt wird.
Ich mute diesen Kraftakt nun auch meinem Umfeld mit meiner Wechseljahreenergie zu. Ich motze, ich trotze, ich mache merkwürdige und gegensätzliche Dinge, bin noch chaotischer und vergesslicher als sonst. Ich treffe auf meine Schatten und Ängste, fühle mich manchmal lächerlich, egoistisch und so gar nicht souverän. Manchmal bin auch nur einfach komplett müde und platt von meiner eigenen Energie.
Und doch pulsiert darunter eine neue Klarheit, ein starker Lebensstrom, eine fast kindliche Freude über etwas, das endlich Raum bekommt. Ich komme in Kontakt mit neuen Ausdrucksmöglichkeiten, mit Quellen, die sich kraftvoll anfühlen, mit Menschen, die mich bestärken, gerade in dieser neuen, tatkräftigen, polarisierenden Qualität, die ich in mir neu kennenlernen darf.
Während ich hier sitze und schreibe, amüsiert sich ein Teil in mir köstlich über diese paradoxen Bewegungen. Letztlich ist es egal, ob wir biologisch 17 oder 51 sind – wenn da etwas in uns lebendig ist und Ausdruck finden will, wird es einen Weg finden. Ich kann mich dagegen wehren, mich zusammenreißen oder ich kann gerade das mal nicht machen und neugierig beobachten, mitfließen und das Ganze ein wenig als Abenteuerspielplatz und Einladung sehen.
Ich möchte gerne dieses Feuerpferdjahr zum Experimentieren nutzen, diese Welle reiten und möglichst auch Spaß dabei haben.
Vielleicht braucht es dieses Pendeln, um dann auch wieder ein etwas ruhigeres Gleichgewicht zu finden, das nicht ganz so viel Achterbahnfeeling und Aufregung mit sich bringt. Vielleicht bekommen dann auch wieder die reiferen, vernünftigeren Anteile in mir wieder ihren guten Platz.
Wohin uns und mich diese Zeit wohl bringen mag, weiß wohl mit Sicherheit keine*r.
Inzwischen bekommt ihr mich in dieser forschenden, testenden, experimentierenden, sprengenden – manchmal unsicheren und frustrierten – manchmal brillanten, spielerischen, befreienden – Energie.
In diesem Sinne wünsche ich auch dir ein anregendes, inspirierendes Wochenende in genau der Energie, die in dir gerade zu Hause ist und Ausdruck finden möchte.
Alles Liebe
Martina
PS: Wenn du dich gerne über den Zeitgeist und deine Bewegungen im Leben austauschen möchtest, fühl dich herzlich eingeladen am Samstag, 06.06. zum Sommerkreis ins Yoga Shiatsu Zentrum Meran zu kommen oder vom 19.-21. Juni mit auf die Klosteralm im Schnalstal zu wandern. Beides sind wundervolle Möglichkeiten um hinzuspüren, was jetzt gerade lebendig ist, was dran ist, was dich bewegt und wohin es für dich gehen soll. Du bist willkommen genau so wie du gerade bist. Ich werde dich empfangen, genauso, wie ich gerade bin, mit meinen Ecken und Kanten, mit meinen Fähigkeiten und Erfahrungen, mit meiner Neugierde und Gestaltungslust und es darf ein lebendiger und bestärkender Raum entstehen, der uns spiegeln kann, was gerade alles los ist in und ums herum. Ich freu mich.
Hier geht’s zu allen Infos:




Kommentare