Es wandelt mich

Oder: Über das, was wir beabsichtigen, das, was wir verkörpern und all das, was dazwischen liegt.




Irgendetwas brodelt wieder mal in mir. Etwas möchte in Worte gefasst werden, das ich seit ein paar Wochen in mir trage, aber noch nicht so richtig greifen kann. Eine Ahnung, eine Einsicht, eine Veränderung. Ich weiß es nicht genau.


Es beginnt damit, dass ich gerade das Gefühl habe, ich bin sehr berührbar. Begegnungen mit Menschen, auch ganz kleine, scheinbar zufällige Situationen gehen mir unter die Haut und geben mir Anlass zum Nachspüren. So als wäre dieser Moment, den ich gerade erlebt habe, der wichtigste Moment in meinem Leben. Überhaupt ist das Wort Nachspüren gerade ganz wichtig für mich. Ich brauche ganz viel Zeit dafür.


Und genau da beginnt meine Forschungsreise. Darf ich mir die Zeit, die ich gefühlt zum Nachspüren brauche, nehmen? Wo führt das hin? In einen tiefen, bereichernden Wandlungsprozess oder in die komplette Unfähigkeit in unserer Gesellschaft zu bestehen? Viel im Außen spiegelt mir, für solche Prozesse gibt es nicht genügend Zeit. Zumindest nicht so, wie ich es mir wünschen würde. Es gibt Termine, es gibt Themen, es gibt Fälligkeiten, die respektiert und bearbeitet werden wollen. Menschen haben nicht Zeit, um sich in der Tiefe zu reflektieren ohne zu wissen, wohin das führen soll.


Ich spüre aber, dass genau darin (m)ein riesengroßes Potential liegen kann. Ich kann ziemlich gut funktionieren, wenn ich glaube, dass ich das muss. Ich habe viele Strategien gelernt im Laufe meines Lebens, um mich dazu zu bewegen, Dinge zu tun, weiterzubringen, zu erledigen, abzuarbeiten, damit mein Umfeld mir auf die Schulter klopft und sagt: „Gut gemacht, weiter machen!“. Bestimmte Dinge fallen mir recht leicht, da kann ich schnell mal was produzieren, das als gut genug empfunden wird (auch von mir selbst) und ich wieder ein bisschen Spielraum und Ruhe bekomme, weil ich ein halbwegs zufriedenstellendes sichtbares Ergebnis geliefert habe.

Aber bin ich damit wirklich glücklich? Ist das meine Aufgabe, meine Absicht in diesem Leben? Immer tiefer spüre ich die Sehnsucht, mich noch mehr davon zu befreien, was ich glaube sein zu müssen und dementsprechende Ergebnisse zu liefern. Immer mehr spüre ich die Sehnsucht, dem jetzigen Moment nachspüren zu dürfen und aus diesem Moment heraus etwas entstehen zu lassen, das wirklich aus meinem Innersten kommt. Deshalb bin ich gerade so fasziniert von Kreisen, in denen wir uns gegenseitig den Raum halten um staunend einfach mal zu betrachten, was sich zeigt, was jetzt gerade in mir da ist und ich das komplett angstfrei benennen darf, weil dieser Raum genau das an die Oberfläche bringen möchte, was da in mir rumort und vielleicht noch nicht den richtigen Ausdruck gefunden hat, noch keine klare Form hat.


Ich liebe Worte. Vor allem, wenn ich schreiben oder lesen darf. Und doch habe ich immer öfter das Gefühl, dass ich viel zu viele Worte spreche, die nicht das auszudrücken vermögen, was ich eigentlich spüre und mir selbst und der Welt begreifbar machen möchte. Vielleicht gibt es dafür nicht so viele Worte und es gibt andere Wege um die tiefen inneren Bewegungen auszudrücken. Vielleicht geht das nur aus der großen Stille heraus. Vielleicht muss ich es so lange spüren, bis es sich in mir verkörpert und ich gar keine Worte mehr suchen muss, weil das, was ich sagen will, aus mir heraus strahlt und wirkt.

An verschiedenen Stellen bin ich in den letzten Wochen auch immer wieder dem Wort Absicht begegnet. Wenn wir um etwas bitten für die Welt, für uns, dann zählt unsere tiefe Absicht. So habe ich das von Nura Kissener in ihren wunderschönen Aufnahmen zur jetzigen Zeitqualität gehört.


Verbunden zu bleiben mit der Absicht, ohne genau wissen zu müssen, wie sich diese Absicht manifestieren und zeigen wird, fasziniert mich ungemein. Dazu berührt mich gerade sehr die Beschreibung der Denkdimension Absicht von Vivian Dittmar in ihrem Buch „Das innere Navi“. Es bringt mich in einen Zustand, in dem ich mich lösen darf von der Vorstellung, wie ich etwas zu machen habe, manchmal sogar von der Idee, dass ich überhaupt etwas „machen“ muss um das, was mir gerade so wichtig ist, in die Welt zu bringen.


Zunächst genügt es, mich auszurichten auf das, was ich aus dem Inneresten heraus spüre. Dann werden sich Weichen stellen, Türen öffnen, die mir den Weg weisen können. Und ich darf dann das tun und sein, was ursprünglich für mich zu tun und sein gedacht war und nicht etwas, das ich mir im Außen antrainiert habe. Dann darf ich das, was ich gelernt und erfahren habe, als Werkzeug nutzen und trotzdem was ganz einzigartig von mir Gespürtes daraus machen. Ohne Anspruch darauf, dass es für irgendjemanden außer mir selbst relevant ist, aber in dem großen Vertrauen, dass es für jemanden ein großes Geschenk sein kann. Sonst wäre ich gar nicht da in dieser Zeit.


Wie gesagt, ich bin hier noch auf einer inneren Forschungsreise, ich kann noch nicht ganz greifen, was das für mich konkret bedeutet. Vielleicht im Außen gar nichts. Vielleicht geht es nur um meine innere Haltung und um mein ganz persönliches Erleben von dem, was und wie ich bin und tue.


Auf jeden Fall ist es eine spannende Zeit und ich brauche Zeit zum Nachspüren und Kreise mit viel Raum für bedingungslosen Ausdruck.


Danke fürs Zuhören, liebe*r Leser*in. Wie geht es dir in dieser Zeit?


PS: Bei den Pioneers of Change gibt es gerade wieder Angebote, die mich in den letzten Jahren unglaublich begleitet und gestärkt haben und, in die ich jetzt auf neue Weise auch wieder eintauchen werde für meine weitere persönliche Forschungsreise:

Be.Come und Hosting und Kulturwandel starten in eine neue Frühlings-Runde.

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