top of page

Winter und die Kraft des Wassers

Oder: Was brauchst du, um gut durchs Leben zu fließen?

 

Immer wieder lande ich bei den fünf Elementen – ich finde es einfach faszinierend in den verschiedenen Jahreszeiten zu beobachten, welches Element dominant ist und was es uns erzählen möchte. Jetzt im Winter ist die Zeit des Wasserelementes.


Das ist ein magisches Element, wie ich finde, und es steckt eine unglaubliche Kraft darin. Das Wasser hat nämlich an sich keine eigene Form, kann sich aber an alle Formen anpassen, die es antrifft. Wenn du ein Glas Wasser trinkst, nimmt das Wasser die Form des Glases an. Fließt das Wasser in einem Fluss passt es seine Form an das Flussbett an, wenn es kalt ist erstarrt es zu Eis und wenn es sehr warm ist, verdampft es. Es kann ein sprudelnder Quell sein, ein gemächlicher Fluss, ein ruhiger See oder der weite Ozean. Es kann Regen, Schnee oder Wolke sein.


So viele verschiedene Formen und Rollen kann das Wasser annehmen.


Aber was hat das mit uns Menschen zu tun?  Wir alle sind Wasserbabys. An diesen Ausspruch erinnere ich mich immer wieder gerne zurück. Großmutter Agnes von den 13 indigenen Großmütter hat das immer wieder gesagt, als sie bei uns in Meran zu Besuch war und hat uns aufgefordert, das Wasser gebührend zu ehren und zu segnen, weil es die Grundlage allen Lebens ist.


Wenn wir die Zusammensetzung unseres physischen Körpers ansehen, dann bestehen auch wir tatsächlich hauptsächlich aus Wasser. Also ist es nur natürlich, dass wir genau so wie das Wasser in der Natur von den Gesetzmäßigkeiten des Wasserelementes beeinflusst sind. Alle ganzheitlichen Philosophien wie die Yogaphilosophie, die traditionelle chinesische Medizin und viele indigene Kulturen kennen diese Gesetzmäßigkeiten und nutzen sie, wenn es darum geht ein gutes und gesundes Leben zu gestalten. Und wenn wir über das physische Element hinaus schauen, eröffnen sich energetisch und spirituell nochmal ganze Welten.


Wie kann das Wasserelement und die Jahreszeit Winter uns dabei helfen ein gutes Leben zu gestalten? Dazu braucht es die Lust ein wenig tiefer einzutauchen. Das Wasserelement und der Winter laden uns dazu ein, uns Zeit zu nehmen. Wir kommen aus der Weihnachtszeit und den Rauhnächten, es ist noch ein junges, frisches Jahr. Für viele mag sich das schon gar nicht mehr so anfühlen, der Alltag hat viele von uns schon wieder fest in der Hand. Der ganze Jänner ist aber im Jahreszyklus betrachtet, noch ein Monat zum Ruhen, zum Innehalten, zum Vorbereiten und Aufräumen.


Wenn wir in die Natur schauen, scheint sie in dieser Zeit fast tot zu sein. Alles ist recht kahl, es wächst gerade nicht so viel in der für uns sichtbaren Welt. Die lebendigen Prozesse passieren gerade eher unter der Erde. Die Samen ruhen dort noch und warten auf die ersten wärmenden Sonnenstrahlen, wenn die Kälte des Winters bricht. Nun ist vielerorts der Boden gefroren und es macht keinen Sinn auszukeimen.


Genau so kann es auch für uns Menschen sein. Wir ziehen uns zurück in unser Inneres und lassen unsere Samen noch ruhen. Laut Jahresrhythmus dürfen wir es noch langsam angehen, nach innen spüren und Altes noch abschließen und aufräumen, Raum schaffen, damit dann mit der neuen Frühlingskraft wieder Neues keimen und wachsen kann.


Im Alltag ist für die allermeisten Menschen gerade in diesen Zeiten und in unserer Gesellschaft nicht so viel Zeit und Raum zum Innehalten, Ruhen und Abwarten, aber wir können uns trotz unserer Geschäftigkeit immer mal bewusst machen, dass das die Qualität dieser Winterzeit ist. Die Tage sind noch kurz, es muss nicht alles jetzt schon erledigt sein. Wir dürfen – zumindest gedanklich – immer wieder mal Pause machen, durchatmen, nachspüren, ruhig werden.


Wenn sich jetzt gerade Schnee und Eis – metaphorisch – über unsere Samen legen, ist das ganz natürlich. Wenn es noch nicht so ganz reibungslos fließt, ist das kein Grund zur Sorge. Wir dürfen gelassen bleiben, auf den Fluss des Lebens vertrauen und uns sicher sein, das Eis und der Schnee werden schmelzen, die Tage werden länger, die Sonnenstrahlen wärmer und ganz von alleine wird wieder mehr Aktivität und Umsetzungskraft kommen.


Was wir aber in dieser Zeit wunderbar machen können, ist uns zu stärken und zu nähren, zu regenerieren, unsere Ausrichtung zu klären, alte Dinge aufzuräumen und auszumisten. Natürlich kann es da auch passieren, dass wir alten Geschichten begegnen, Themen, die wir vielleicht nicht so gerne mögen und, die uns Angst machen oder starke Gefühle auslösen.

Auch das gehört zum Wasserelement – die Angst und unsere Gefühle. Es kann bedrohlich wirken die eigene Form nicht zu kennen, überschwemmt zu werden, sich immer wieder neu finden zu müssen, immer wieder zu erkennen, dass wir uns nicht mit einer Form vollends identifizieren können, sondern dauernd wieder gefordert sind uns zu verändern und zu schauen, was das Leben jetzt gerade von uns will.


Dazu braucht es ein ausgeprägtes Urvertrauen, dass das Leben wohlwollend und gütig ist, dass es uns bedingungslos trägt und leitet. Diese Qualität finden wir in unserem Erdelement mit seiner Stabilität, wie ein tragendes Flussbett, das unserem Lebensfluss Halt und Richtung gibt. Wenn wir mit so einem Urvertrauen ausgestattet sind, dann kann das Eintauchen ins Wasserelement eine reine Freude sein. Dann sind wir offen für alle möglichen Wege und fließen um Hindernisse und Schwierigkeiten herum. Das Wasser strebt immer nach Vereinigung mit etwas Größerem, möchte vom Quell zum Fluss und vom Fluss zum Ozean werden. Und genau so dürfen auch wir der Sehnsucht nach etwas Größerem folgen im Vertrauen, dass wir uns dabei nicht verlieren, sondern nur an Weite, Tiefe und Wirkung gewinnen können.


Das Wasser ist zyklisch, empfänglich, kreativ schöpferisch und kann ein zu starkes Feuer mit seiner kühlenden Kraft ausgleichen. Gleichzeitig braucht das Wasserdie Wärme des Feuers, damit es nicht zu Eis erstarrt und gelähmt wird. Dieses Jahr soll, so habe ich gelesen, nach chinesischer Astrologie ein Jahr des Feuerpferdes werden – ein schnelles, tatkräftiges, aktives Jahr. Da tut es gut ein harmonisches, fließendes, klares Wasserelement zu haben, das dazu einen gesunden Gegenpol setzen kann. Wenn die Wärme des Feuers und die Kühle des Wassers Hand in Hand gehen, kann etwas Wunderbares daraus entstehen.


Das Wasser nährt dann die Samen, die jetzt noch unter der Erde im gefrorenen Boden liegen. Die Wärme der Sonne erlaubt dem Wasser tiefer zu sinken und einzusickern, macht damit den Boden fruchtbar, reinigt sich selbst und  lädt die Samen ein aufzuspringen, zu keimen, an die Oberfläche zu kommen und zu starken Pflanzen mit guten Wurzeln heranzuwachsen.


Die Wasserkraft richtet uns auf, lässt uns willensstark sein, schenkt uns Lebensenergie und Kraft. Das Feuer lädt uns ein die Dinge ans Licht zu bringen, sie wachsen und reifen zu lassen, unsere Aufgaben zu erfüllen und unser Potential voll zu entfalten.


Das kann also wieder ein spannendes Jahr werden. Aber heute ist Sonntag, es ist noch Januar, es ist noch Winter, es regnet und schneit. Also, lass dir noch ein wenig Zeit, mach noch ein bisschen Pause, atme durch, ruhe und richte dich mit klaren Absichten aus. Fließe mit dem Leben, lass dich tragen, fühl dich geführt und hab Spaß daran dich für all die unglaublichen und vielleicht auch unerwarteten Möglichkeiten des Lebens zu öffnen.


Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Martina

 

PS: Ein kleiner Ausblick auf den Höhepunkt der Feuerzeit im Jahreszyklus – zur Sommer-Sonnwende: Magdalena von der Klosteralm in Schnals hat bestätigt, dass wir zur Sonnwende wieder bei ihr auf der Alm willkommen sind. Ich werde bald die Einladungen für die Tage auf der Alm ausschreiben. Wenn du gerne im Juni an einem Wochenende dabei sein möchtest, um zurück zu schauen, auf das, was du jetzt für dieses Jahr visionierst und dir vornimmst, wenn du denkst, es könnte schön sein, zusammen mit einer kleinen Gruppe einen Richtungscheck zu machen, dann sei herzlich eingeladen, dir jetzt schon das Wochenende von Freitag, 19.06. (ab Mittag) bis Sonntag, 21.06. (bis Mittag) in deinen Kalender einzutragen. Weitere Infos folgen bald. Auch da wird das Wasserelement seinen wichtigen Platz haben. 😊 

 
 
 

Kommentare


bottom of page