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Liebeskraft, Menschen und Mittel


Oder: Ein Kraftplatz will wachsen


Seit über 6 Jahren zieht es mich regelmäßig nach Niafrang in Casamance, Senegal. Eine Liebeskraft, die größer ist als ich, lässt mich immer wieder dorthin zurückreisen. Mit der Liebe zu einem Mann und der Faszination rund um seinen Lebensraum hat es begonnen. Diese Liebeskraft hat mir ungeahnte Kräfte verliehen. Sie hat mich in Resonanz gehen lassen mit dem verletzlichen Ökosystem in Niafrang, mit den Dünen, die seit Jahren Gefahr laufen von internationalen Konzernen wegen des Zirkonvorkommens aufgegraben und geplündert zu werden. Mit dem Ozean, der jeden Tag wieder neuen Plastikmüll an den Strand spült und den Naturstrand jedes Jahr ein wenig mehr auffrisst, weil der Meeresspiegel immer weiter steigt. Mit den Mangroven, die von den steigenden Gezeiten getötet werden und als Lebensraum für Tiere nicht mehr geeignet sind.


Ich bin in Resonanz gegangen mit den Reisfeldern, die nach mehr Regen lechzen und mit den Menschen, die sich mehr Wohlstand und Perspektiven wünschen. Ich bin in Resonanz gegangen mit der Fähigkeit der Menschen sich in ihrer Natur mit unheimlicher Anmut zu bewegen, mit dieser Urkraft, die mir nur hier zugänglich ist. Eine wilde Schönheit, die droht verloren zu gehen. Genauso wie die Liebesbeziehung zu dem Mann, den ich vor fast 7 Jahren kennen gelernt und in mein Herz gelassen habe, jetzt droht zu sterben. Weil wir aus verschiedenen Welten stammen, weil wir getrieben sind von unterschiedlichen Sehnsüchten und Bedürfnissen, die uns zusammengebracht haben, aber jetzt auch wieder spalten. Weil ich Verbindung und Ehe anders definiere als er, weil ich Vertrauen und Transparenz anders brauche als er.


Was bleibt ist ein gemeinsamer Traum, ein gemeinsames Projekt. Und das soll auf keinen Fall sterben müssen. Das ist mein großer Wunsch. Unser gemeinsamer Ort ist für mich getragen von einer größeren Liebeskraft als die unserer persönlichen Beziehung. Der Kraftplatz ist entstanden aus seinem Wunsch etwas bewirken zu können, materiell zu wachsen, als Mann und Familienoberhaupt gesehen zu werden, als Vater seinen Kindern etwas hinterlassen zu können. Der Kraftplatz ist entstanden aus meinem Wunsch etwas bewirken zu können, einen Begegnungsort für Menschen, Natur und Kultur zu schaffen, innerlich zu wachsen und in Verbindung mit meiner ursprünglichen Kraft zu sein.


Der Ort heißt Mukuti Kunda, das zu Hause der Geduld, und ist ein ca 1,5 ha großes Grundstück am Dorfrand von Niafrang. Es gibt dort ein klitzekleines, einfaches Haus, in dem ich wohne, wenn ich da bin. Es gibt noch ein klitzekleines, noch einfacheres Haus, für jenen Menschen, der sich gerufen fühlt da zu sein, wenn sonst niemand da ist und sich um das Land kümmert, den Garten hütet. Es gibt ein Hibiskusfeld, das den besten Tee und Saft liefert, einen Gemüsegarten, den wir versuchen nach natürlichen Prinzipien zu bearbeiten – ohne chemische Zusatzstoffe – noch mit bescheidenen Ernteergebnissen. Es gibt einen Brunnen, eine solarbetriebene Pumpe und Solarpanele für Strom und Internet. Es gibt kein öffentliches Strom- oder Wasserversorgungsnetz.


Es gibt Vögel, Schlangen, Frösche, Eichhörnchen und Erdhörnchen, Insekten, Ziegen, Hunde, Affen und Kühe und alle diese Tiere besuchen auch immer wieder unser Land, weil sie Futter bei uns finden. Das schmälert die Ernte und steigert manchmal die Frustration, nährt auch manchmal die Angst. Wir sind im Busch nicht weit vom atlantischen Ozean. In 20 Minuten wandern wir über die Reisfelder in die Dünen durch die Mangroven zum Strand. Im Meer gibt es Fische, wenn auch nicht mehr so viele wie früher. Die Großkonzerne fischen die Meere so langsam leer.


Die Liebeskraft der letzten Jahre hat mich dazu bewogen nach Verbündeten zu suchen – für das Ökosystem, gegen die Ausbeutungsprojekte und für neues Bewusstsein und Kompetenzen. Gefunden habe ich das Global Ecovillage Network, das in Gambia, Kartong, durch Sandele Foundation vertreten ist. Gemeinsam haben wir Kurse in Niafrang und in Kartong organisert, wir haben in Gemeinschaft studiert und geforscht, nach Lösungen gesucht, Hoffnung geschöpft und immer wieder auch resigniert. Der Alltag fordert in einem Dorf wie Niafrang seinen täglichen Tribut. Die Menschen haben nicht viel Energie zum konkreten Weltretten übrig, sie sind beschäftigt mit existentiellen Versorgungsfragen – jeden Tag von Neuem. Meine Vorstellungen von einem vorbildlichen Ecovillage Niafrang habe ich inzwischen ein wenig begraben und versuche gerade dem Vertrauen Platz zu machen, dass die Impulse, die in den letzten Jahren dorthin geflossen sind, auf ihre Weise in ihrer Zeit fruchten werden.


Resignieren möchte ich nicht. Weder in der sich gerade wandelnden Beziehung zu John, noch in meiner Verbindung zu dem Dorf Niafrang und unserem Kraftort Mukuti Kunda. Was es braucht ist Transformation von eingefahrenen Erwartungen, die Offenheit den Horizont zu erweitern, neue Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, Ängste loszulassen, den Mut Menschen und Mittel einzuladen und sich überraschen zu lassen, welche Art von Liebeskraft das Projekt weiter gedeihen lassen möchte.


Bisher habe ich das, was es an materiellen Mitteln gebraucht hat, (fast) alleine gestemmt. John hat ganz viel Energie, Zeit und Organisation in den Ort gesteckt. Beide träumen wir davon, dass der Ort weiterwachsen kann, Platz schaffen kann für Menschen, die Casamance, die Natur und Kultur auf sanfte, nachhaltige Weise erkunden und kennen lernen wollen. Menschen, die Wissen und Mittel mitbringen, um den Boden und den Garten zu bereichern, die die (finanzielle) Kraft haben noch ein Häuschen mit 4 Zimmern gemeinsam mit den lokalen Handwerkern entstehen zu lassen. Menschen, die das Potenzial sehen, die die Schönheit sehen. Menschen, die verstehen, dass wir Mittel von auswärts brauchen und das Land am Ende trotzdem in afrikanischen Händen lassen wollen.


Das ist mein Traum. Und den teile ich heute mit euch in dem Vertrauen, dass mein Wunsch die richtigen Menschen erreichen und berühren kann.


Wenn du dich in irgendeiner Weise angesprochen fühlst, wenn du Resonanz spürst, wenn dich etwas berührt und du den Impuls verspürst uns etwas mitzugeben, wenn du Lust darauf hast den Ort kennen zu lernen, eine Zeit lang in der ganzen Einfachheit und doch Komplexität und Fülle dazusein oder uns mit Mitteln unter die Arme greifen möchtest, dann melde dich so gerne. Jeder Impuls, jede Ermutigung, jeder Beitrag ist wertvoll, nährt und stärkt die Verbindung. Mit einer neuen gemeinschaftlichen Liebeskraft, die so sehr gebraucht wird in unserer Welt – nach der ich mich auf jeden Fall bis tief in mein Herz hinein sehne.


Hier und dort und überall. 😊


Danke!


Hier kannst du ein bisschen was von Mukuti Kunda sehen: www.facebook.com/mukutikunda

Hier kannst du mich kontaktieren und noch viel mehr erfahren: contact@martinaderosi.net / +39 338 4511627


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