Weniger ist manchmal mehr

Oder wie ich ein Gespür dafür bekomme, dass Loslassen ein Geschenk sein kann



Ich bin seit ein paar Wochen wieder in Meran. Ich bin zurück gekommen gefüllt mit lebendigen Erfahrungen und Gefühlen und jeder Menge Vorhaben im Koffer, die ich realisieren möchte. Ich bin mit der Vorstellung angekommen, dass ich jetzt Zeit und Lust habe alles Mögliche ins Rollen zu bringen, Menschen zu treffen, zu Netzwerken und Möglichkeiten zu finden um meine Projekte weiterhin auch materiell umsetzen zu können. Ich habe mich kraftvoll und zuversichtlich gespürt.


Und so bin ich hinein gestartet – zunächst in die Quarantänezeit nach der Reise – und dann in den wunderbaren Frühlingsmonat März. Ich habe einen Zyklus mit Onlinetreffen zum Thema „Dankbarkeit“ gestartet, weil ich mich dem Leben gegenüber so dankbar gefühlt habe für alles was ich in den letzten Monaten erleben und genießen durfte. Ich habe mich so dankbar gefühlt für die Lebendigkeit und die Lust an der Kreativität, die ich bis in die kleinsten Zellen gespürt habe. Für mich hat sich die Welt gut angefühlt in den letzten Monaten. Nicht immer einfach, aber gut. Und das wollte ich teilen, der Welt zeigen, auch, wenn wir gerade keine Yogakurse in Gruppen abhalten dürfen und sich noch viele Dinge im Alltag etwas kompliziert gestalten.


Ich habe mit meinen Kolleg*innen im Yoga Shiatsu Zentrum Meran eine 4-jährige Yogaausbildung ausgeschrieben, die im September starten wird. Ich spüre freudiges Kribbeln beim Gedanken daran wirklich für eine Gruppe von Menschen Raum halten zu dürfen, die tiefer eintauchen wollen in die Frage, wer sie sind und wie sie ihren Beitrag und ihre Geschenke an die Welt in ihrer vollen Authentizität geben können. Es bewegt sich ganz viel. Seit dieser Woche dürfen wir Menschen auch wieder in Einzelstunden mit Yoga, Shiatsu und Gesprächen begleiten. So schöne Gestaltungsmöglichkeiten tun sich auf.


Und ich träume davon das gemeinsame Projekt mit John, Mukuti Kunda in Niafrang, so zu vernetzen, dass es von mehreren Menschen mit ähnlichen Ideen und Werten getragen werden kann, dass es Mittel bekommen kann, dass es wachsen darf, dass es einen Permakultur Garten und natürliche Bauten auf dem Land geben kann, die uns unabhängiger machen von den großen Systemen. Ich träume davon, dass ich noch viel mehr lernen darf, darüber wie ich mein eigenes Essen anbauen kann. Und so strecke ich gerade meine Fühler aus in den Soul Garden in meiner Stadt, ein Projekt, das auf solidarische Landwirtschaft aufbaut und gleichzeitig einen sozialen Auftrag für geflüchtete Menschen, die beruflich Fuß fassen möchten, übernommen hat. Es fühlt sich rund und richtig an.


Und doch hat sich letzte Woche ein Rauschen über meine Zufriedenheit gelegt. Etwas hat mich müde, rastlos und unruhig werden lassen. Mein Körper hat sich verspannt, meine Gedanken waren getrübt und ich konnte nicht ganz verstehen, was genau mich so irritiert hat. Ich dachte, vielleicht ist es einfach mein Zyklus, ich kann nicht immer voller Elan sein, manchmal braucht es auch Pausen vom Inspiriert sein. Oder vielleicht ist es das kollektive Energiefeld der Besorgnis, das sich über meine Stimmung gelegt hat, habe ich gedacht. Aber dann hat sich doch so eine Stimme in mir breit gemacht, die mir geflüstert hat, "nein, du musst schon ein bisschen tiefer in dich selbst hinein schauen. Geh hinaus in die frische Luft und hör gut nach innen."


Das habe ich gemacht. Raus in die frische Luft, in die Sonne, in den Wind und mit jedem Schritt habe ich gemerkt, Druck fällt von mir ab, mein Atem darf sich wieder voll ausbreiten in mir und es wird weicher. Und meine innere Stimme, woher auch immer sie kommen mag, hat mir gesagt: „Nimm dir nicht zu viel vor, decke deine Lebendigkeit nicht mit zu vielen „Ich will“ und „Ich muss“ zu. Erlaub dir auch Kreativlöcher zu haben und einfach nur da zu sein. Lass leeren Raum entstehen und stopfe nicht alles voll mit Ideen, Wünschen und Zielen.


Immer wieder in diesen Tagen sind mir auch Erzählungen von Menschen eingefallen, die ich im Pioneers of Change Summit gehört habe. Omar Khir Alanam, der sagt, der von seiner Flucht aus Syrien sagt er habe noch nie größere Freiheit gespürt als in dem Moment als ihm bewusst wurde, dass er gar nichts mehr hatte. Margareth Wheately, die sagt für zukunftsweisende, große Rettungsaktionen auf Systemebene ist es jetzt zu spät, aber wir können heute präsent sein, in dem was wir jetzt gerade zur Verfügung haben und damit etwas gestalten, das nicht nur uns persönlich nützt, sondern auch den Menschen um uns herum. Da kommt unsere kreative Freiheit ins Spiel.


Diese Menschen sprechen aus einer Erfahrung und Überzeugung heraus, die mich erahnen lassen, dass ein großes Potential darin liegt mich frei zu machen, von all dem, an dem ich festhalten möchte, weil ich glaube ich brauche es zum Leben, zum Gestalten können und zum Glücklichsein. All diese Projekte und Ideen können mich auch schwer und handlungsunfähig machen. Auch wenn sie noch so schön sind. Verbinde ich mich aber mit der Idee, ich darf die Erwartungen daran, was ich in den nächsten Monaten alles wichtiges schaffen möchte, loslassen und ich muss eigentlich gar nichts anderes schaffen als einen Tag nach dem anderen mit dem gut zu leben, was gerade da ist, dann stellt sich eine unglaubliche Leichtigkeit in mir ein.


Ich wache auf und muss gar nichts machen, ich kann die Welt nicht retten und vielleicht auch nicht mich selbst. Ich kann die Wirtschaft nicht retten, die Gesundheit in der Welt nicht herstellen, ich kann nicht vermeiden, dass der Meeresspiegel steigt. Aber ich kann diesen Tag genießen. Ich kann mich öffnen dafür, was das Leben genau heute in diesem Moment mir bringen möchte und was ich teilen kann. Und das darf ich annehmen und was Schönes daraus machen. Das kann mein Beitrag für die Welt in diesem Moment sein.


Sobald ich in diese Energie komme, fließt die Lebenskraft wieder voll durch mich. Heute bin ich da, ich bin lebendig, ich darf da sein. Und ich muss nichts tun, aber ich darf. Und was passiert? Ganz frei, ohne Druck, arbeite ich dann an den Ideen, Wünschen und Projekten, die mir noch vor ein paar Tagen Sorgen und Schwere bereitet haben. Weil es das ist, was ich heute tun möchte. Weil es für mich jetzt in diesem Moment Sinn macht. Weil ich frei bin.

Von außen ist vielleicht gar kein Unterschied sichtbar auf den ersten Blick, aber mein Erleben ist ein ganz anderes. Die Angst und Schwere weicht und ich fühle Geborgenheit und Zuversicht. Ich weiß, ich kann mich zur Verfügung stellen als Instrument der Lebenskraft und sie wird mich genau da hinbringen, wo ich sein soll. Wenn ich dafür offen bin, meine Geschenke zu teilen und die Geschenke des Lebens anzuerkennen.


Für nächsten Samstag Vormittag, 27.03. habe ich ein Online-Treffen zum Thema „Du bist ein Geschenk!“ ausgeschrieben. Es ist mir ein großes Anliegen mit diesem Thema zu arbeiten, mit Menschen in Kontakt und Austausch darüber zu sein. Und doch habe ich auch da in den letzten Tagen Widerstand gespürt, dafür jetzt zu werben. Vielleicht ist es jetzt nicht der richtige Moment für dieses Treffen, vielleicht will da vorher noch was reifen in mir, aber vielleicht ist es genau deshalb auch der goldrichtige Moment.


Ich schicke das Angebot daher jetzt über diesen Weg in die Welt mit der Offenheit und dem Vertrauen, dass es die Menschen erreichen darf, die es erreichen soll. Wenn sich eine kleine Gruppe von Menschen zusammenfindet (zwischen 6-12 Teilnehmer*innen), dann werde ich voller Freude den Raum halten und staunen, welche Geschenke wir einander in diesem Rahmen machen können.


Möchtest du dabei sein? Hier geht's zur Anmeldung: Du bist ein Geschenk (martinaderosi.net)


Manchmal fühlt sich weniger richtig gut und frei an.

Alles Liebe,

Deine Martina De Rosi

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